Bericht Kurzwochentörn 2011

Vorwort
Damit die Erinnerungen an die schönen Stunden unseres Törns länger lebendig bleiben, habe ich diesen kleinen Bericht geschrieben.

Viel Vergnügen bei der Lektüre

Euer "Schiffsreporter"

Heiner

Montag, den 8.8.2011

Start: Enkhuizen
Zeit: 11:42 h
Trip Time: 5:05 h
Trip Odo: 31,6 sm
Trip Dog: 31,6 sm
AV-Speed: 6.1 sm/h
max Speed: 10,7 sm/h
Ziel: Harlingen
Rudergänger: Frans
Zeit: 19:03 h
Anleger: Im Päckchen
Odo gesamt: 31,6 sm
Dog gesamt: 31,6 sm

 

„La Bohème an Hafendienst Enkhuizen – wir starten mit 19 Personen plus 2 Mann Besatzung in Richtung Kornwerderzand.“ - „Hafendienst Enkhuizen an La Bohème – verstanden – ich wünsche eine gute Reise.“ So klang es aus dem Lautsprecher des Funkgerätes, als wir kurz vor 12:00 Uhr am Gependam losmachten.

Die Crew und die Besatzung hatten sich rechtzeitig auf dem Schiff eingefunden. So nach und nach bezogen alle ihre Kabinen. Mit 19 Personen waren wir gut belegt. Gegen 11:00 Uhr begann Leon mit dem Briefing der Crew. Es waren einige dabei, die noch nie auf einem Plattbodenschiff gesegelt sind – viele kannten die La Bohème noch nicht. Jedes Schiff hat so seine Eigenheiten – manche Dinge sind auf allen Schiffen gleich, z.B. die Regel „nur was ging durch Darm und Magen, verträgt die Toilette ohne Klagen“. Die Rolle des Skippers übernahm auf diesem Törn Leons Bruder Frans – ein ebenfalls sehr erfahrener Kapitän von Plattbodenschiffen. Leon hatte sich für diesen Törn die Küche als sein Reich ausgewählt. Das hörte sich gut an – quasi jeden Abend Käpt’n Dinner.

Dem theoretischen Teil folgte die Praxis an Deck. Dort übernahm Jascha – die auf diesem Törn die Rolle des Maats haben sollte – die weitere Unterweisung. Ein wichtiges Element auf einem Plattbodenschiff sind die Backstage, die den Mast von hinten absichern. Jonas übte mehrfach das Hin- und Herbringen eines Backstags. Die anderen schauten aufmerksam zu.

Um 11:42 Uhr war es dann endlich soweit – der Dieselmotor sprang an und die Leinen wurden losgeworfen. Bei leichtem Regen verließen wir den Krabbershaven und bogen am Kopf des Gependam ins Krabbersgat ab – in Richtung Norden. Bereits im Kanal begannen wir mit dem Setzen der Segel. Ein Teil der Crew kümmerte sich um das Hochkurbeln des Großsegels. Andere beschäftigten sich mit der Fock und dem Herablassen des Klüverbaums. Es dauerte nicht lange und die Segel standen – der Motor wurde gestoppt. Nach dem Verlassen des Krabbersgat setzten wir noch zusätzlich den Klüver – aber nicht für lange. Der Wind war zu stark. Er kam mit bestimmt 6 Bft. aus Nordwest.

Zuerst setzten wir grob Kurs auf den Außendamm. Wir hatten uns als Ziel die Inseln vorgenommen. Nach der derzeitigen Windrichtung bot sich vielleicht Terschelling oder auch Ameland an, so daß wir uns entschieden durch die Schleuse bei Kornwerderzand zu gehen.

Um 15:09 Uhr legten wir uns an einem Dalben vor der Lorentzschleuse in Kornwerderzand mit Vorleine in den Wind. Neben uns positionierte sich die Nirwana unter Motor in den Wind gestellt. Wir mußten nicht lange warten.

Um 15:35 Uhr ging es weiter in die große Schleusenkammer. Fünf Minuten später legten wir mit der Backbordseite an. Bei der derzeitigen Windlage war es die Schokoladenseite für das spätere Ablegemanöver.

Um 15:50 Uhr legten wir ab. Die Brücke öffnete sich rechtzeitig, so daß wir ohne weitere Wartezeiten auf das Watt hinausfahren konnten.

Immer noch ungerefft mit halbem Wind und gut 10 Knoten rasten wir in Richtung Harlingen – mit vorläufigem Ziel Ameland. Wir hatten zwar im Moment Nippzeit – es war also rein rechnerisch kein allzu hoher Wasserstand zu erwarten. Aber durch den Wind hatte sich eine Erhöhung von über einen halben Meter eingestellt – also einer Fluthöhe wie zu Zeiten einer Springflut. Das hatte wiederum zur Folge, daß man das Fluttor bei Harlingen geschlossen hatte. Damit bot sich Harlingen nicht mehr so recht als Ziel an. Denn im Außenbereich hätte uns eine unruhige Nacht erwartet. Als wir den Punkt erreichten, wo wir entweder rechts nach Harlingen abbiegen mußten – wenn wir denn doch nicht nach Ameland fahren wollten, färbte sich der Himmel schwarz und weiteres Ungemach kündigte sich an. So entschied Leon um 16:42 Uhr kurzerhand doch Harlingen als Tagesziel zu wählen und gab das Kommando – Großsegel nach unten. Direkt vor dem Fluttor machten wir um 16:48 Uhr an einem Wartesteiger fest.

Anschließend ging Leon in die Küche, um sich um das Abendessen zu kümmern. Auf dem Speiseplan stand Spagetti Bolognese nach Art des „Schiffes“.

Kurz vor dem Essen - um 18:49 Uhr kam dann die Info – Rot-Grün am Fluttor. Ein paar Leute gingen an Deck, damit wir das Schiff in den Innenteil des Hafens verlegen konnten. Kaum waren wir oben – da fing es wieder an zu schütten – was auch sonst. Kaum waren wir mit dem Anlegemanöver fertig, da hörte es wieder auf – wie das so manchmal ist im Leben.

Nach dem sehr leckeren Abendessen nutzten wir die trockene Phase und vertraten uns im Ort noch etwas die Beine. Die einen schauten sich Grachten und Yachten an – Monika, Barbara und Steffi gingen auf Geocaching-Tour.

Den ersten Tag ließen wir dann bei ein paar gepflegten Bierchen im Salon der La Bohème ausklingen. 

 

Dienstag, den 9.8.2011

Start: Harlingen
Zeit: 14:14 h
Trip Time: 5:48 h
Trip Odo: 16,5 sm
Trip Dog: 16,5 sm
AV-Speed: 5,4 sm/h
max Speed: 8,4 sm/h
Ziel: Workum
Rudergänger: Frans
Zeit: 17:34 h
Anleger: Kai
Odo gesamt: 48,1 sm
Dog gesamt: 48,1 sm

 

Aufgrund der späten Flut konnten wir es heute ruhig und gemütlich angehen lassen. Wir entschieden uns um 9:00 Uhr zu frühstücken. Es gab alles was das Herz – auch das der Niederländer – begehrt. Angefangen von verschiedenen Marmeladen, Wurst und Käse gab es natürlich auch Pindakaas (Erdnußbutter) und Hagelslag (Schokostreusel). Dazu wurde Rührei mit Speck gereicht. Zu trinken gab es Kaffee, Tee, Milch und Orangensaft.

Die Windlage hatte sich über Nacht nicht viel verändert. Es waren wieder 7 und mehr Windstärken angesagt. Für so manchen Skipper war die Grenze erreicht und sie ließen ihre Schiffe im sicheren Hafen liegen. Nicht nur daß der heftige Wind auf das Material des Segelschiffes geht – auch die Versicherungen setzen bei Windstärke 7 eine Grenze. Leon kündigte an, daß wir zunächst einmal wieder in Richtung Kornwerderzand fahren würden. Auf der Strecke würde dann die Entscheidung fallen, ob wir uns Texel vornehmen können – oder aber besser wieder ins IJsselmeer zurückfahren sollten.

Um 14:14 Uhr warfen wir die Leinen los. Bevor wir das äußere Hafenbecken verlassen konnten, stellte sich uns noch ein Problem. Der Klüverbaum konnte nicht mehr herabgelassen werden. Das Klüverfall hatte sich unter dem Baum vertörnt, so daß es nicht nachgelassen werden konnte. Frans zog sich seine „Bergretterausrüstung“ an und stieg im fast senkrecht stehenden Netz am Klüverbaum nach oben. Mit viel Mühe und unter großem Krafteinsatz gelang es ihm das Fall abzuschlagen. Er krabbelte wieder nach unten und wir konnten losfahren.

Je dichter wir nach Kornwerderzand kamen, um so klarer wurde – aus Texel wird nichts. Trotz zweier Reffe schoben wir stark Lage. Kurz vor der Schleuse entschieden wir uns dann für Workum als Tagesziel. Workum liegt im Landesinneren von Friesland verbunden über einen ca. 2km langen Kanal mit dem Ijsselmeer.

Kurz vor der Einfahrt zum Wartebecken vor der Autobahnbrücke holten wir bei Windböen von 36 Knoten (Windstärke 8) das Großsegel herein. Um 15:39 Uhr stellten wir uns vor der Brücke mit Motor im Wind in die Warteposition.

Um 15:52 Uhr passierten wir die Brücke in Richtung Lorentzschleuse. Fünf Minuten später machten wir an Steuerbord in der Schleuse fest. Um 16:13 Uhr ging es weiter mit Ziel Workum. Rund eine Stunde später nach ruhiger Fahrt mit Raumschotkurs erreichten wir die Einfahrt zum Kanal.

Nach dem Anlegen bauten wir erst einmal das Zelt auf – es sah nicht so aus, als wenn es heute zum letzten Mal geregnet hatte. Nach dem Einlaufbier zogen sich Andreas und Heiner in die Küche zurück. Sie hatten sich zum Küchendienst gemeldet. Auf dem Speiseplan standen holländische Pannenkoeken – nach deutschem Rezept. Zur Auswahl standen Pannenkoeken mit Apfel, Speck, Mettwurst, Käse, Natur – oder aber auch Mischungen. Das Backen wurde ein Abend füllendes Programm – nach gut zwei Stunden und gefühlten mehr als 50 Pannenkoeken gab der letzte auf. Der Rekord stellte sich bei 4 Pannenkoeken pro Person ein.

Während des Abendessens legte sich ein Schiff neben uns ins Päckchen. Es war nicht irgendein Schiff – es war die Tijdgeest – das letzte Schiff von Frans. Und es kam für Frans noch dicker – die Mannschaft kannte Frans sehr gut – sie ist seinerzeit schon mit ihm gefahren. Da gab es natürlich ein lautstarkes und freudiges Hallo auf allen Seiten.

Satt und zufrieden vertrieb sich die Mannschaft nach dem Abendessen die Zeit – die einen mit dem Durchprobieren der großen Spielesammlung. Andere kümmerten sich darum, daß der Bierzapfhahn nicht warm wurde. 

 

Mittwoch, den 10.8.2011

Start: Workum
Zeit: 10:05 h
Trip Time: 8:14 h
Trip Odo: 36,5 sm
Trip Dog: 6,6 + 23,4 = 30,0 sm
AV-Speed: 5,7 sm/h
max Speed: 8,3 sm/h
Ziel: Hoorn
Rudergänger: Frans
Zeit: 18:17 h
Anleger: Steiger
Odo gesamt: 84,6 sm
Dog gesamt: 78,1 sm

 

Das Wetter kannte keine Gnade – es blieb feucht und sehr windig. Für heute Nachmittag war eine Windstärke von bis zu 8 Bft. aus westlicher Richtung angesagt. So beschlossen wir nach Hoorn zu segeln. Das hatte den Vorteil, daß wir unter Landabdeckung fahren konnten und die Wellen nicht so hoch waren.

Nach einem gemütlichen Frühstück zu einer moderaten Zeit legten wir gegen 10:00 Uhr ab. Auf dem Weg nach Hoorn via Enkhuizen gab es heute keine Ausreden mehr – ein Zwischenstopp in Stavoren war Pflicht. Der Wind kam aus SW, so daß wir zwei Schläge brauchten. Um 11:55 Uhr machten wir in Stavoren am Fährsteiger fest. Wir bekamen bis halb zwei frei zu einem Landgang. Die meisten gingen natürlich – ohne große Umschweife – in die Smidstraat zu Doedes Vishandel. Dort gibt es den besten Kibbeling, den wir je in Holland gegessen haben. Aber nicht nur der Kibbeling ist dort empfehlenswert. Leons Standardgedeck ist z.B. – zwei Nieuwe haringen als Vorspeise und anschließend eine Portion Kibbeling mit Knoblauchsauce.

Um 13:41 Uhr starteten wir in Richtung Enkhuizen. Der Wind hatte weiter nach West gedreht, so daß wir mit einem Schlag nach Enkhuizen fahren konnten. Um 15:43 Uhr machten wir in der Schleuse des Naviduct Krabbersgat bei Enkhuizen fest. Der Höhenunterschied zwischen dem IJsel- und dem Markermeer ist nur marginal – so daß wir schon 4 Minuten später die Schleuse in Richtung Hoorn verließen.

Der Wind nahm weiter zu. Kurz vor Hoorn zeigte der Windmesser eine Geschwindigkeit von 46 Knoten – das ist fast eine Windstärke von 10 Bft.. Nach rund zweieinhalb Stunden liefen wir in den Hafen von Hoorn ein.

Leon kümmerte sich wieder um die Küche – heute stand auf dem Speiseplan Lachs und Kabeljau an Spinat und Tagliatelle. Nach dem Abendessen ging die Mannschaft in die Stadt zur zweitgrößten Kirmes in Holland. Eine der Hauptattraktion war der Booster Maxx – ein Gerät wo es in die schwindelerregende Höhe von 60m ging – vielleicht vergleichbar mit einer Salatschleuder für Menschen. Einige der Crew (Jascha, Steffi, Jonas, Andreas, Anke …) ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen und fuhren mit. Bevor man übermütig werden konnte, holte uns unser Wetter wieder ein – und es setzte wieder Regen ein und wir wurden auf dem Rückweg zum Schiff pitschenaß. 

 

Donnerstag, den 11.8.2011

Start: Hoorn
Zeit: 11:18 h
Trip Time: 4:07 h
Trip Odo: 21,8 sm
Trip Dog: 21,2 sm
AV-Speed: 5,3 sm/h
max Speed: 9,7 sm/h
Ziel: Medemblik
Rudergänger: Frans
Zeit: 15:24 h
Anleger: Kai
Odo gesamt: 106,4 sm
Dog gesamt: 99,3 sm

Der Morgen begann zwar wolkig – aber immerhin trocken. Kurz nach elf legten wir ab mit dem Tagesziel Medemblik. Die drei Reffe ließen wir zur Vorsicht drin, denn auch für heute war wieder gut Wind angesagt. Nach nur eineinhalb Stunden machten wir um 12:51 Uhr in Schleuse bei Enkhuizen fest. Nach ein paar Minuten verließen wir die Schleuse wieder, um kurz hinter der Schleuse an einem Wartesteiger erneut festzumachen. Leon hatte ein eine leckere Championsuppe gekocht, die wir in Ruhe und ohne Schräglage genießen wollten. Um 13:37 Uhr legten wir wieder ab. Nach knapp zwei Stunden legten wir im Westerhaven in Medemblik an. Nach einem Einlaufbier startete eine Delegation zum Einkaufen für das heutige Abendessen.

Die Mannschaft half Leon tatkräftig beim Kochen mit, denn es gab eine Menge an Schnibbel- und Putzarbeiten. Im Ergebnis fehlten zu dem Käpt ‘n Dinner eigentlich nur noch die Wunderkerzen. Als Vorspeise gab es Rindercarpaccio. Im Hauptgang wurde Kotelett Natur mit Bohnen, Kartoffeln und Salat serviert.

Der Abend endete wieder feucht-fröhlich mit der Leerung des zweiten Bierfasses. 

 

Freitag, den 12.8.2011

Start: Medemblik
Zeit: 10:42 h
Trip Time: 2:34 h
Trip Odo: 10,8 sm
Trip Dog: 10.8 sm
AV-Speed: 4,2 sm/h
max Speed: 6,9 sm/h
Ziel: Enkhuizen
Rudergänger: Frans
Zeit: 13:16 h
Anleger: Gependam
Odo gesamt: 117,2 sm
Dog gesamt: 110,1 sm

 

Auch heute durften wir wieder ausschlafen. Das Wetter blieb und treu – wolkig, windig und feucht. Kurz vor elf brachen wir zu unserem letzten Schlag auf. Wir nutzten die Zeit um – bewaffnet mit ein paar Schrubbern und Meister Propper – das Schiffsdeck zu säubern. Der Wind hatte endlich nachgelassen. Um kurz nach eins legten wir nach zweieinhalb Stunden Fahrt am Gependam an. Beim Aufbau des Zelts wurden wir ein letztes Mal richtig naß – es ist kaum zu glauben.

Unter Deck fing das große Aufräumen an und die Taschen wurden gepackt. Trotz des eher mäßigen Wetters hat der Törn allen sehr gut gefallen. In der kurzen Zeit, die wir uns nun kannten, hatte sich eine schöne Mannschaft entwickelt.

Nach der Aufnahme des Gruppenfotos löste sich unsere Schicksalsgemeinschaft so nach und nach auf. Was bleibt? Schöne Erinnerungen - und viel zu erzählen. 

 

 

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