Abenteuer Zeeland 2012

Vorwort

Viel haben wir in den letzten Jahren bereits mit der La Bohème ersegelt - das IJsselmeer, Friesland, die niederländischen Inseln im Watt - bis zur Insel Spiekeroog in Deutschland sind wir bereits gekommen. Eine Ecke hatten wir bis jetzt ausgespart - Zeeland. Dort hat Leon seine ersten Jahre als Skipper in der Charterfahrt verbracht - bis er dann sein Fahrgebiet nach Nordholland verlegt hat.

Zeeland liegt - im Gegensatz zu den niederländischen Inseln - nicht gerade um die Ecke hinter Enkhuizen. So muß man schon mindestens zwei Wochen für den Törn einplanen - wir entschieden uns drei Wochen zu gönnen. Ob wir unser Fernziel Antwerpen zu erreichen geschafft haben - erfahrt Ihr in diesem Bericht.

Viel Vergnügen bei der Lektüre


Eure Reporter

Melanie und Heiner


Mittwoch, den 6.6.2012

Es ist soweit - es heißt Taschen packen für unseren 18.Törn mit der La Bohème. Selbst die nicht ganz so guten Wetteraussichten tun der Sache keinen Abbruch. Bis Mitte Juni prognostizieren die Wetterdienste durchwachsenes und unbeständiges Wetter. Beim Packen der Autos mußten wir Regenpausen abwarten. Aber – bereits während der Anfahrt klärte es sich zusehends auf. Angekommen in Enkhuizen begrüßte uns die Sonne. Gegen halb acht kam Leon mit der La Bohème aus Richtung Museumshafen ins Krabbersgat eingelaufen – ein Teil der Crew war bereits an Bord. Sie waren Leon bereits zur Siegerehrung entgegengelaufen – wobei Siegerehrung wörtlich zu nehmen ist – Leon hatte bei der Regatta wieder einmal den ersten Platz belegt. So nach und nach trudelte der Rest der Crew ein. Nach einer kurzen Diskussion beschlossen wir unseren Einkauf auf den nächsten Tag zu verlegen. Ein weiser Entschluß – bei gut drei Wochen haben wir keine Zeitnot. Zum Abendessen gab es Nudel- und Kartoffelsalat mit Würstchen. Während wir aßen, holte uns das heimische Wetter ein – es regnete Bindfäden – kein schöner Ausblick für die nächsten Tage. Wir trösteten und an der Theke bei frisch gezapftem Bier. 

 

Donnerstag, den 7.6.2012

Start: Enkhuizen
Zeit: 11:14 h
Trip Time: 4:32 h
Trip Odo: 15,7 sm
Trip Dog: 14,1 sm
AV-Speed: 3,5 sm/h
max Speed: 5,8 sm/h
Ziel: Edam
Rudergänger: Leon, Marina
Zeit: 15:52 h
Anleger: Am Kai
Odo gesamt: 15,7 sm
Dog gesamt: 15,7 sm

Das schlechte Wetter der letzten Nacht hatte sich verzogen und der Morgen begrüßte uns mit ein paar zaghaften Sonnenstrahlen. Kurz nach acht brach ein Teil der Crew in Richtung Albert Heijn auf. Da wir unsere Autos bereits auf Leons Bauernhof abgestellt hatten, nahmen wir Leons "fahrende Scheune" – einen alten Mercedes Lieferwagen.

Im Laden war nicht viel los, so daß wir in Ruhe unseren Proviant zusammensuchen konnten. Insgesamt füllten wir wieder 4 Einkaufswagen. Nachdem wir alles im Wagen verstaut hatten, fuhren wir zurück zum Schiff, wo der Rest der Crew uns bereits mit dem Frühstück erwartete.

Bei schönem Segelwetter legten wir gegen 11:14 Uhr ab. Als Ziel für den ersten Tag hatten wir uns Edam ausgeschaut. Der Himmel klärte sich zusehends auf. Damit hatten wir nicht gerechnet. Für heute wurde eine Regenwahrscheinlichkeit von 80% angesagt.

Kurz vor der Einfahrt zur Schleuse bei Edam nahmen wir den Klüver herunter. Mit Groß und Fock fuhren wir in die sehr schmale Einfahrt zur Schleuse. Wir mußten nicht lange auf die Schleusung warten.

Nach dem Hafenbier machte sich ein Teil der Crew auf, um sich den Ort anzusehen. Melanie und Andreas nahmen sich unser Waterstag vor. An einer Stelle war das Seil fast vollständig durchgescheuert. Die Ursache ließ sich nicht ergründen.

Nach einiger Zeit begann es zu tröpfeln. Kurzentschlossen spannten wir unsere Persenning über dem Mitteldeck auf.

Für das Abendessen hatten sich Gunda und Sebastian gemeldet. Auf dem Programm stand asiatische Küche. 

 

Freitag, den 8.6.2012

Start: Edam
Zeit: 10:38 h
Trip Time: 04:02 h
Trip Odo: 26,6 sm
Trip Dog: 26,6 sm
AV-Speed: 6,6 sm/h
max Speed: 10,0 sm/h
Ziel: Stavoren
Rudergänger: Leon, Andreas
Zeit: 14:55 h
Anleger: Am Kai
Odo gesamt: 42,3 sm
Dog gesamt: 40,7 sm


Der Morgen begann sonnig – kein einziges Wölkchen war am Himmel. In der Nacht hatte es noch heftig geregnet. Nach dem Frühstück zog es sich zu und der versprochene Wind kam auf.

Unsere Entscheidung gestern zuerst nach Süden zu fahren, zahlte sich nun aus, denn nun konnten wir vor dem Wind in Richtung Stavoren segeln. So ließen sich die gut 7 Windstärken aushalten.

Nachdem wir in Stavoren festgemacht hatten, drehte der Wind weiter auf und es standen gute 8 Bft. an. Gut daß wir im sicheren Hafen lagen. Nach unserem Anlegerbier gingen wir auf direktem Weg – ohne über Los zu gehen – zu unserem Lieblingsfischladen - Doede. Wo wir schon einmal da waren, kauften wir uns Kabeljau für unser Abendessen.

Zum Abendessen kümmerten sich Andreas und Hipof in bewährter Weise um den Fisch und stellten sich an den Herd.

 

Samstag, den 9.6.2012

Liegetag: Stavoren

In der Nacht hatte der Wind nicht nachgelassen, so daß wir morgens schon eine Windstärke von 7 - 8 Bft. hatten. Da der Wetterbericht für heute keine Besserung in Aussicht stellte, beschlossen wir schweren Herzens einen Liegetag einzulegen. Besonders für diejenigen, die zum ersten Mal dabei waren - und dann auch am Sonntag wieder abheuern, ist das natürlich schade - aber nicht zu ändern.

Mit dem Hafen für den Liegetag hätte es uns schlimmer treffen können - Doede machte große Augen, daß er uns schon wieder sah. Denn gestern noch hatten wir uns mit einem fröhlichen "Bis nächstes Jahr" verabschiedet. Nachdem wir dort zum Mittagssnack den leckeren Kibbeling genossen hatten, deckten wir uns für das Abendessen mit frischem Matjes und Nordseekrabben ein. 

 

Sonntag, den 10.6.2012

Start: Stavoren
Zeit: 10:39 h
Trip Time: 7:35 h
Trip Odo: 28,7 sm
Trip Dog: 28,7  sm
AV-Speed: 3,8 sm/h
max Speed: 8,1 sm/h
Ziel: Hoorn
Rudergänger: Leon, Heiner
Zeit: 14:54 h
Anleger: Steg
Odo gesamt: 71,0 sm
Dog gesamt: 69,4 sm


Der Wind hatte deutlich nachgelassen und der Tag gestaltete sich heiter bis wolkig. Mit nur 3 kn Fahrt verließen wir den Hafen von Stavoren in Richtung Süden. Später drehte der Wind wieder etwas auf, so daß wir gute 7 kn Fahrt machten.

Kurz vor 13:00 Uhr kamen wir in Enkhuizen an. Für unsere Crew kam nun ein trauriger Moment, denn vier Mitglieder mußten hier von Bord gehen. Den Abschied versuchten wir kurz und schmerzlos zu gestalten. Nach dem Fototermin für ein Mannschaftsbild setzten wir wieder Segel und legten den Kurs auf die Stadt Hoorn an.

Kurz vor 15:00 Uhr machten wir in Hoorn bei strahlendem Sonnenschein am Anlegesteg fest. Für den Rest des Tages hatte die Crew frei für einen Landgang. Hoorn ist die größte Stadt am IJssel- bzw. besser gesagt am Markermeer und ist immer wieder sehenswert. 

 

Montag, den 11.6.2012

Start: Hoorn
Zeit: 10:54 h
Trip Time: 6:40 h
Trip Odo: 35,3 sm
Trip Dog: 35,3 sm
AV-Speed: 5,3 sm/h
max Speed:  8,1sm/h
Ziel: Haarlem
Rudergänger: Heiner, Leon
Zeit: 21:08 h
Anleger: Am Kai
Odo gesamt: 106,3 sm
Dog gesamt: 104,7 sm

Der Tag begann wieder heiter bis wolkig. Nach einem ausgiebigen Frühstück legten wir kurz vor 11:00 Uhr mit Kurs Amsterdam ab. Vor dem Wind kamen wir mit gut 7 kn gut voran. Gegen 12:35 Uhr passierten wir den markanten Leuchtturm von Marken. Eineinhalb Stunden später erreichten wir die Einfahrt nach Amsterdam - querab das bekannte Leuchtfeuer.

Nach der Passage von zwei Brücken (Autobahn A10 und der Schellingwouderbrug) legten wir gegen 15:30 Uhr in der Oranjesluizen an. Nach gut 7 Minuten ging es schon wieder weiter. Kurz nach der Schleuse fuhren wir am Hauptbahnhof vorbei. Vor Jahren hatten wir hier schon einmal auf der gegenüberliegenden Seite des Kanals neben dem Sixthaven in einem Stichkanal gelegen. Unter Segel mit halbem Wind arbeiteten wir uns durch den regen Schiffsverkehr weiter in Richtung Westen vor - an Backbord der Norden von Amsterdam.

Hier galt es eine Entscheidung zu treffen - biegen wir links ab, um mitten durch Amsterdam zu fahren - oder nehmen wir die Route über Haarlem. Wenn wir durch Amsterdam fahren wollen, dann wäre hier im Houthaven erst einmal Schluß gewesen. Denn die Brücken in Amsterdam werden nur nachts bewegt - und in Süden von Amsterdam gibt es eine Autobahn- und Eisenbahnbrückenkombination, die erst um 1:00 Uhr nachts bedient wird. Unter anderem wegen der Windverhältnisse entschieden wir uns für die Route Haarlem.

Weiter ging es über den Nordseekanal durch das Hafen- und Werftgebiet von Amsterdam. Wir begegneten dem Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise, welches gerade gedreht wurde um in ein Dock geschoben zu werden. Futuristische Gebäude säumten unseren Weg - bei einem großen Haus hatte wohl ein weißer Wal Pate gestanden. Tragflächenboote sausten an uns vorbei. Große Ladebrücken standen wie Kampfroboter aus dem Krieg der Sterne an unserem Wegesrand.

Gegen 16:30 Uhr bogen wir vom Nordseekanal links ab in den Zijkanaal C in Richtung Haarlem. Kurz vor 17:00 Uhr kamen wir an der Autobahnbrücke der A9 an. Da die Brücke erst gegen 20:00 Uhr öffnen würde, mußten wir uns einen Anleger suchen - leichter gesagt als getan. Weit und breit war nichts Vernünftiges im Angebot. Wir entschieden uns für ein kleines Stück bröseligem Betonvorsprung. Zum Festmachen bauten wir uns Provisorien. Leider hatte Leon seine Erdspieße vergessen - so daß wir ein Nageleisen zweckentfremdeten. So richtig vertrauenerweckend war die Konstruktion nicht. Es kam wie es kommen mußte - beim nächsten großen Frachtschiff, welches unseren "Liegeplatz" passierte, riß unser - durch den Wellenschlag auf und niedergehendes - Schiff das Eisen aus dem Boden und katapultierte es in den Kanal.

Nach dem Abendessen legten wir um 20:00 Uhr ab und fuhren durch die sich öffnende Autobahnbrücke. Das Wetter hatte sich wieder verschlechtert und es setzte leichter Regen ein. Kurz nach 21:00 Uhr machten wir in Haarlem für unsere Übernachtung fest.

 

Dienstag, den 12.6.2012

Start: Haarlem
Zeit: 12:12 h
Trip Time: 4:30 h
Trip Odo: 20,5 sm
Trip Dog: 20,5 sm
AV-Speed: 4,6 sm/h
max Speed: 6,8 sm/h
Ziel: Alphen aan den Rijn
Rudergänger: Heiner, Leon
Zeit: 20:25 h
Anleger: Am Kai
Odo gesamt: 126,8 sm
Dog gesamt: 125,5 sm

Der heutige Tag begann so, wie der gestrige geendet hatte - bewölkt - aber trocken. Gut daß unsere Vorratskammern noch prall gefüllt waren - denn ein Bäcker ließ sich nicht auftreiben, obwohl sich mehrere Erkundungstrupps auf die Suche machten. Bis mittags hatten wir Ausgang, so daß wir die Gelegenheit nutzten uns den Ort etwas anzusehen. Wie in vielen holländischen Städten erwarteten und schöne alte Gebäude. Besonders beeindruckte uns die St.-Bavo-Kirche direkt neben dem Marktplatz. Sie ist die größte Kirche in Haarlem und stammt aus dem Mittelalter.

Kurz nach 12:00 Uhr legten wir ab. Hinter dem Stadtgebiet kamen wir an idyllischen Häuschen vorbei. Bemerkenswert war das Pumpwerk de Cruquius. Es ist eines von drei historischen Dampfschöpfwerken aus dem Jahr 1849, mit denen der Haarlemmermeerpolder in der niederländischen Provinz Nordholland trockengelegt wurde. Beim Pumpwerk mußten rechts ab. Dort hatten wir Glück - nach nur wenigen Minuten Wartezeit öffnete sich die Brücke über den Haarlemmermeerpolder.

Gegen 14:30 Uhr machten wir in Lisse Station, um ein paar kleine Einkäufe zu machen - u.a. waren uns die Kartoffeln ausgegangen. Wieder zurück an Bord legten wir um 17:45 Uhr ab. Kurze Zeit später kreuzte schon wieder eine Autobahn - die A44 - unseren Weg. Aber - nach nur 15 Minuten Wartezeit ging es weiter - vor uns ein Frachtschiff - die Eben-Haezer aus Driebruggen, welches sich in Maßarbeit saugend durch die Brückenkonstruktion schob.

Weiter ging es durch das Braassemermeer nach Alphen Aan den Rijn. Mit Blick auf die fortgeschrittene Zeit hielten wir dort nach einem Liegeplatz Ausschau - und wurden vor dem Cafe De Heul fündig. Der Anleger war wie geschaffen für uns - außer, daß wir leider keinen Landstrom zur Verfügung hatten.

Zum Abendessen stand Ankes beliebter Apfel-Filet-Topf auf dem Speiseplan. 

 

Mittwoch, den 13.6.2012

Start: Alphen aan den Rijn
Zeit: 10:24 h
Trip Time: 4:29 h
Trip Odo: 17,5 sm
Trip Dog: 17,5 sm
AV-Speed: 3,9 sm/h
max Speed: 7,3 sm/h
Ziel: Capelle aan den IJssel
Rudergänger: Leon, Marina
Zeit: 16:13 h
Anleger: Am Kai
Odo gesamt: 144,3 sm
Dog gesamt: 142,7 sm

Auch der heutige Tag begann wieder heiter bis wolkig. Wie bereits gestern gab es keinen Bäcker in der Nähe, so daß wir uns Aufbackbrötchen fertig machten.

Um halb elf legten wir ab. Das Wetter war durchwachsen – aber trocken. Die Einfahrt in die Julianasluis gestaltete sich etwas schwierig – ein kleines Motorboot mit zwei älteren Leuten fuhr planlos vor uns her – und versuchte trotz roter Ampeln vor uns in die Schleuse zu kommen. Sie hörten weder auf den Schleusenwärter noch auf uns. Kaum waren sie in der Schleuse, machten sie direkt nach dem Schleusentor fest und blockierten die weiteren Schiffe. Wir mußten kurzfristig umdisponieren und an Backbord festmachen.
In der Julianasluis erwartete uns eine kleine Überraschung. Leon wurde vom Schleusenwächter in sein Büro gebeten. Ein Päckchen wurde bei ihm für uns abgegeben. Im Päckchen befand sich eine Karte von Cocky und Dirk – mit einem Carepaket an Stroopwafels aus Gouda. Wir hoffen, daß wir auf der Rückfahrt Gelegenheit haben uns mit den Beiden in Gouda zu treffen.

Weder die immer wiederkehrenden (Hebe-)Brücken noch die unsere Route säumenden Schleusen konnten uns lange aufhalten. Und so ging es entlang idyllischer Felder und Weiden; ruhig drehende Windmühlen und friedlich grasende Kühe begleiteten unseren Weg, ebenso wie romantische Häuser, die sich in geheimnisvollen Gärten verstecken.

Wir beschlossen in Capelle aan den IJssel unser Nachtlager aufzumachen - indes - einen Liegeplatz zu finden, war nicht so einfach. Überall stand "Niet afmeren". Schließlich wurden wir bei einem Restaurant fündig und legten an einer Spundwand an. Es war etwas knifflig die Leinen zu befestigen - aber es ging. Kaum lagen wir dort, kamen schaulustige Spaziergänger und bewunderten unser Schiff - oder war es nur die Tatsache, daß wir uns dorthin gelegt hatten?

Um das Abendessen kümmerte sich heute Heiner - auf dem Plan stand gutbürgerliche fränkische Küche: Sauerkraut mit frischem Kartoffelstampf und Nürnberger Würstchen.

Nach dem Essen stand das Spiel Holland gegen Deutschland auf dem Programm. Die Holländer haben sich dabei nicht mit Ruhm bekleckert und zu Recht mit 1:2 verloren. Bei unserer Fußballwette stehen nun Andreas und Heiner mit 11 Punkten auf dem ersten Platz, gefolgt von Mausi mit 9 Punkten. Sebastian belegt nach wie vor mit drei Punkten den letzten Platz.
Nach dem Spiel tranken alle noch einen Absacker und verschwanden früh in den Kojen. 

 

Donnerstag, den 14.6.2012

Start: Capelle aan den IJssel
Zeit: 10:02 h
Trip Time: 2:50 h
Trip Odo: 9,7 sm
Trip Dog: 9,7 sm
AV-Speed: 3,2 sm/h
max Speed: 5,1 sm/h
Ziel: Dordrecht
Rudergänger: Leon
Zeit: 12:52 h
Anleger: Am Kai
Odo gesamt: 154,0 sm
Dog gesamt: 152,4 sm

Am frühen Morgen nach dem Aufstehen gab es eine unangenehme Überraschung - das Wasser war so stark gesunken, daß wir in seitlicher Schieflage auf den Steinen aufgesetzt hatten. Wir konnten nur hoffen, daß die Steine keinen allzu großen Eindruck bei unserem Schiff hinterließen. Deswegen gab es hier wohl auch keine vernünftigen Festmacher an der Spundwand - hier legt man sich wohl normalerweise nicht hin.

Das Wetter zeigte sich dafür heute von seiner sonnigen Seite. Auch ein Bäcker war diesmal nicht weit entfernt (Bakkerij Jeroen Luyten).

Gegen 10:00 Uhr war das Wasser wieder soweit angestiegen, daß wir starten konnten – zum Glück. Denn spätestens um 12:15 Uhr sollten wir die Brücke bei Alblasserdam bekommen, andernfalls müßten wir dort zwei Stunden warten. Kurz nach dem Ablegen erreichten wir die Algerabrug. Sie ist ein Teil des ältesten Bauwerks der Deltawerke - das Sturmflutwehr der Holländischen IJssel. Die Brücke bei Ablasserdam erreichten wir sogar schon eine halbe Stunde eher, so daß wir die Öffnungszeit um 11:45 Uhr nutzen konnten.

Da der nächste Ort - den man nicht links liegen lassen darf - nur unweit entfernt war, machten wir nach nur knapp 3 Stunden Fahrzeit Schicht für heute.

Schon vom Wasser aus präsentiert sich die Stadt Dordrecht in all ihrer Pracht und Schönheit. Freundlich werden wir empfangen und bekommen einen idyllischen Liegeplatz mitten im historischen Wolwevershaven. Dass hier der Strom für das Schiff über Internet an- und ausgeschaltet werden kann, ist nur eines der zahlreichen Highlights in Dordrecht. Das Zentrum hat neben der beeindruckenden gotischen Kirche Onze-Lieve-Vrouwekerk u.a. noch das älteste Stadttor der Niederlande - das Groothoofdspoort, sowie ein historisches Stadthaus zu bieten. Mit seinen an Venedig erinnernden Grachten und Tunneln mitten in der Stadt fühlen wir uns hier rundum wohl, was nicht zuletzt auch an dem herrlichen Sommerwetter liegt! Kleiner Hinweis am Rande - Recklinghausen ist eine der Partnerstädte von Dordrecht.

Mit Blick auf die vielen Möglichkeiten hier auswärts essen gehen zu können, beschlossen wir heute unsere Küche kalt zu lassen. Gegen 20:00 Uhr trafen wir uns im Restaurant Jongepier. Wir bekamen einen schönen Sitzplatz mit Blick auf den Hafen. Das Essen war nicht schlecht  - aber auch keine Offenbarung. 

 

Freitag, den 15.6.2012

Start: Dordrecht
Zeit: 10:20 h
Trip Time: 4:36 h
Trip Odo: 20,3 sm
Trip Dog: 19,1 sm
AV-Speed: 4,4 sm/h
max Speed: 7,7 sm/h
Ziel: Numansdorp
Rudergänger: Leon
Zeit: 15:21 h
Anleger: Am Kai
Odo gesamt: 174,3 sm
Dog gesamt: 171,5 sm

Über Nacht kam der versprochene Regen. Nach dem Frühstück hieß es Abschied nehmen. Werner und Jutta mußten uns heute verlassen. Werner ging nach dem Frühstück in Richtung Bahnhof, um mit dem Zug nach Westwoud zu fahren. Dort hatte er bei Leon sein Auto abgestellt. Jutta blieb an Bord und konnte den Tag noch an Bord genießen.

Auch beim Ablegen tröpfelte es immer noch. Nachdem wir die letzte Hebebrücke bei Dordrecht passiert hatten, setzten wir die Segel und nahmen Kurs auf Numansdorp. Dort wurden wir in dem kleinen Hafen bereits mit viel Musik und Tamtam empfangen. Es war Stadtfest, das versprach ein richtiger Rummel zu werden... Numansdorp ist der Heimathafen der Hoop op Zegen von Hans Venema, einem Freund und alten Weggefährten von Leon. Wir statteten ihm einen Besuch ab und wurden bei ihm an Bord äußerst herzlich empfangen. Nach einem selbst "gemixten" Willkommensgetränk genießen wir am Abend noch die mit viel Freude vorgetragenen Lieder des örtlichen Shantychores.

Auf dem Speiseplan standen heute Pfannkuchen von Andreas und Hipof. 

 

Samstag, den 16.6.2012

Start: Numansdorp
Zeit: 12:12 h
Trip Time: 4:33 h
Trip Odo: 21,7 sm
Trip Dog: 18,7 sm
AV-Speed: 4,8 sm/h
max Speed: 8,6 sm/h
Ziel: Sint Annaland
Rudergänger: Leon
Zeit: 17:30 h
Anleger: Im Päckchen
Odo gesamt: 196,0 sm
Dog gesamt: 190,2 sm

Das Wetter hatte sich über Nacht wieder gebessert und Tag begann heiter bis wolkig und trocken. Nach dem Frühstück ging eine Abordnung (Andreas, Hipof und Heiner) in den Ort um unseren Proviantbestand wieder aufzubessern. Bei einem Metzger fanden wir geeignete Dinge für einen Grillabend.

Gegen Mittag ging es weiter in Richtung Volkerakschleuse. Nach nur kurzer Wartezeit öffneten sich die Schleusentore, und wir fuhren zum ersten Mal auf zeeländischem Gewässer! Ein straffer Südwestwind wehte uns entgegen, und so hieß es kreuzen auf dem Volkerak. Zumindest blieb es trocken, so dass wir das wunderschöne Naturgebiet um uns herum genießen konnten. In der nächsten Schleuse, der Krammerschleuse, beschlossen wir allerdings dann doch ein zweites Reff in unser Großsegel zu setzen... Die Luft war auf einmal anders, roch nach Meer und Weite, man schmeckte Salz auf den Lippen und wußte: die Oosterschelde ist erreicht, wir segeln auf Salzwasser und haben auch noch die Strömung im Rücken! So kam bereits nach kurzer Zeit St. Annaland in Sicht, unser heutiger Hafen für die Nacht. Hinter dem Deich am Hafen wartete ein ruhiges und verzaubertes Städtchen auf uns, die wenigen Leute auf der Straße waren freundlich und begrüßten uns herzlich. Tholen... ein Ort zum Wohlfühlen!

Heute hatte der Grill in diesem Jahr Premiere. Eine Zeit lang überlegten wir hin und her, wie und wo wir grillen wollten oder konnten. An Land war es schwierig, weil wir im Päckchen lagen. Zudem waren gut 3 Meter nach oben zu klettern, um an Land zu kommen. Kurzerhand entschieden wir uns die Gangway zu "mißbrauchen". Mit der Unterseite nach oben legten wir sie gut gefedert auf die Autoreifen. Den Grill schnallten wir auf der Planke fest. Andreas - unser Chefgriller - war mit der Lösung zufrieden.

Das Fleisch war eine gute Wahl gewesen - unter anderem waren leckere marinierte Lammkottelets dabei. Timmy kümmerte sich um die Knochen - bis er nicht mehr konnte. Wir waren mit unserem ersten Griller auf dem Törn sehr zufrieden und ließen den Abend mit dem einen oder anderen Bierchen (oder auch Wein) ausklingen. 

 

Sonntag, den 17.6.2012

Start: Sint Annaland
Zeit: 10:30 h
Trip Time: 4:45 h
Trip Odo: 22,3 sm
Trip Dog: 16,4 sm
AV-Speed: 4,7 sm/h
max Speed: 8,9 sm/h
Ziel: Zierikzee
Rudergänger: Leon
Zeit: 15:08 h
Anleger: Im Päckchen
Odo gesamt: 218,3 sm
Dog gesamt: 206,6 sm

Vom guten Wetter des gestrigen Abends war nicht viel übrig geblieben. Die Sonne versteckte sich hinter den Wolken und es standen gute 6 Windstärken an. Im Hafenbecken machten sich wie angekündigt die Kinder für ihre Optimistenregatta bereit. Der Wind kam aus Südwest, so daß wir das erste Stück tüchtig kreuzen mußten. Dabei kam uns immer wieder eine belgische Jacht in die Quere. Als wir dann auch noch Querverkehr durch ein weiteres Plattbodenschiff hatten, kam es fast zu einer Kollision. In scheinbar „selbstmörderischer“ Absicht (O-Ton Leon) querte die Jacht unseren Kurs – anstatt einfach abzufallen. Es fehlten nur Zentimeter und wir hätten die Jacht auf die Hörner genommen. Da hatte sich der Skipper wohl gewaltig verschätzt. Nach der Passage zeigte Leon ihm deutlich, was er von dem Manöver hielt. In der Folge hielt der Skipper der belgischen Yacht sich von uns fern.

Nachdem wir um die untere Ecke von Schouwen-Duiveland gesegelt waren, konnten wir die beeindruckende Zeelandbrücke sehen. Sie ist mit über 5 km die längste Brücke in Holland. Wir hatten unsere Fahrt gut eingeteilt, so daß wir hätten eigentlich zügig weiter kommen müssen. Leon hatte auch wie gewohnt die Brücke über Funk angerufen und man bestätigte uns die Öffnungszeit. Aber – danach hat man es sich wohl anders überlegt und ließ die Öffnung unter den Tisch fallen. Über eine halbe Stunde mußten wir auf- und abkreuzen und warten. Als sie endlich öffnete, nahmen wir unter Segel Kurs auf die Öffnung. Zuerst klappte es wie am Schnürchen. Dann aber fiel der Wind hinter den Platten der Brücke weg, so daß wir kurzzeitig keinen Antrieb mehr hatten. Sofort ergriff uns die starke Gezeitenströmung und drückte uns in Richtung eines Dalbens. Nach dem Start des Motors und voller Kraft voraus konnte Leon das Schiff vor einer Kollision bewahren.

Wir nahmen nicht direkt Kurs auf Zierikzee, sondern fuhren mit Blick auf den schönen Segelwind noch ein Stück weiter in Richtung einer Sandbank, wo Leon früher das Schiff hat oft trocken fallen lassen. Der Sand hat fast eine Farbe wie auf Hawaii – strahlend weiß. Große Teile der Umgebung stehen inzwischen unter Naturschutz. Entsprechend schön sieht es hier auch aus.

Nach der Sandbank nahmen wir Kurs auf unseren Anlegeplatz in Zierikzee. Das erste Stück im Kanal machten wir noch unter Segel – nach der offen stehenden Schleuse motorten wir bis in den Hafen.

Wir bekamen nicht sofort einen endgültigen Liegeplatz. Wir mußten noch auf ein Schiff warten, mit dem wir uns ins Päckchen legen mußten. Die Mädels konnten es nicht abwarten und zogen schon einmal los. Der Rest folgte nach dem Umlegen ins Städtchen. Den Titel schönste Stadt von Holland trägt der Ort zu Recht. Leon hat hier viele Jahre gelebt – und auch seine ersten Segelerfahrungen in der Charterfahrt gemacht.

Die Einrichtung des Hafens ist sehr modern und schön. Wir nutzen die Gelegenheit und probierten die Waschmaschine aus. Es hat sich schon einiges an schmutziger Wäsche angesammelt.

Der Abend wurde spannend – es standen die finalen Spiele für die Niederlande und Deutschland in der Vorrunde an. Beide Spiele kamen gleichzeitig. Leon pendelte immer hin und her zwischen seinem und unserem Salon. Nicht ganz unerwartet schieden die Niederländer aus und die deutsche Mannschaft qualifizierte sich als Gruppenerster.

Um das Abendessen kümmerte sich heute Anke - es gab Spagetti Bolognese 

 

Montag, den 18.6.2012

Start: Zierikzee
Zeit: 10:27 h
Trip Time: 2:33 h
Trip Odo: 10,8 sm
Trip Dog: 10,8 sm
AV-Speed: 4,2 sm/h
max Speed: 8,3 sm/h
Ziel: Goes
Rudergänger: Leon
Zeit: 13:12 h
Anleger: Am Kai
Odo gesamt: 229,1 sm
Dog gesamt: 217,4 sm

Für heute war richtig schlechtes Wetter angesagt – 90% Regenwahrscheinlichkeit. Gegen 6:00 Uhr fing es an wie aus Eimern zu schütten. In der Ferne grummelte ein Gewitter. Wir überlegten schon, ob wir in Badehosen oder in Vollmontur zum Einkaufen gehen sollten – da ließ der Regen nach und hörte sogar auf. Zuerst gingen Adreas, Hipof und Heiner zu AH, anschließend zum "Slager" und dann zum "Bakker". Gut bepackt ging es zurück zum Schiff.

Nach dem Ablegen fuhren wir zur Zeelandbrug. Wieder mußten wir warten, weil man einfach ohne Kommentar eine Öffnung ausließ.  Nachdem wir die Brücke passiert hatten, nahmen wir vor bei halbem Wind über die Oosterschelde Kurs auf Goes.

Kurz vor der Einfahrt gab es eine kleine Sensation – Doris entdeckte als erste eine Tümmler-Schule. Immer wieder kamen die kleinen Schweinswale zum Luftholen kurz an die Oberfläche. Selbst Melanie hatte das noch nicht gesehen

Über das Telefon fragte Leon beim Hafenmeister von Goes nach den Liegemöglichkeiten. Er meinte, daß wir das letzte Stück rückwärtsfahren müssen, weil anschließend nicht genug Platz zum Drehen sei. Das wurde uns fast zum Verhängnis. Das Rückwärtsfahren des Schiffs gestaltet sich äußerst schwierig, weil das Schiff durch den Radeffekt immer nach rechts ausbricht. Zudem wehen die Schwerter nach außen aus. Nach der Brücke kamen wir einer Segeljacht sehr nahe. Was wir an Fender hatten, hängten wir dazwischen. Unser Manöver wurde von Land aus beobachtet. Kaum hatten wir festgemacht, kam ein Hafenmeister auf dem Fahrrad angeradelt und begutachtete unser Schiff nach Farbe von der Jacht. Er fand aber nichts. Er notierte sich unsere Schiffsdaten und verschwand wieder. Später kam dann der Vater des Eigners und schimpfte herum. Leon wollte sich zusammen mit ihm einen etwaigen Schaden ansehen. Das ging aber nicht, weil er keinen Schlüssel habe und sein Sohn sehr weit weg sei. Leon und er tauschten die Daten aus.

Nach einem kleinen Snack gingen wir gemeinsam in den Ort. Am Ende des Hafens sahen wir, daß das frühe Drehen völlig überflüssig war – im Hafenbecken gab es Platz satt zum Drehen.

Auch diese Stadt ist sehr schön und es gibt viel zu sehen. Die Mädels verschwanden schnell im nächsten Textil-Geschäft. Sie fanden aber nichts. Nur Leon machte „Beute“. Er kaufte sich eine neue Lederjacke.

Zurück beim Schiff, setzten sich einige der Crew vor das Schiff mit einem Gläschen Wein und genossen die Abendsonne. Eine vorbeikommende Frau machte uns höflich aber bestimmt darauf aufmerksam, daß das Trinken jeglichen alkoholischen Getränks bei hoher Strafe verboten sei.

Abends gab es einen Filettopf Rustikal. 

 

Dienstag, den 19.6.2012

Start: Goes
Zeit: 9:47 h
Trip Time: 4:25 h
Trip Odo: 16,7 sm
Trip Dog: 15,3 sm
AV-Speed: 3,8 sm/h
max Speed: 6,5 sm/h
Ziel: Veere
Rudergänger: Leon, Marina
Zeit: 15:03 h
Anleger: Am Steg
Odo gesamt: 245,8 sm
Dog gesamt: 232,7 sm

Bei herrlichstem Sonnenschein verließen wir am Dienstagmorgen um 9.47 Uhr unseren Liegeplatz in Goes, um die Brückenöffnung um 10.00 Uhr zu nutzen. Diesmal durchquerten wir die Brücke im Vorwärtsgang... Eigentlich hätten wir sie - just for fun - wieder rückwärts passieren müssen!

Nachdem wir am Ende des Kanals in der Schleuse um gute 3 Meter tiefer gesackt waren, ging es wieder hinaus auf die Oosterschelde, die an diesem Tag spiegelglatt vor uns lag. Es war beinahe windstill... Und auf einmal, wir konnten unser Glück kaum fassen (!), tauchten aus dem Wasser wieder die Rückenfinnen der Schweinswale auf!! Es war ein ganzer Schwarm (Rudel?? Gruppe?? Was sagt man denn bei Schweinswalen???), und es war einfach traumhaft ihnen zuzusehen! Leider schlugen alle Versuche, sie zu fotografieren, fehl. Es ist wirklich schwierig, den richtigen Augenblick zu erwischen wenn sie auftauchen. Aber beim nächsten Mal sind wir gewappnet und werden das ganze einfach filmen! Jetzt waren wir sehr gespannt, ob wir auf der Westerschelde auch Schweinswale sichten werden...

Wir passierten erneut eine Schleuse, bei der wir die 3 Meter wieder hinaufstiegen, und fuhren hinein in das Veerse Meer. Hier begegnete uns ein wahres Phänomen: das Wasser ist salzig, es gibt aber keine Gezeiten! Also, so langsam blickte niemand mehr durch: zuerst hatten wir Süßwasser ohne Gezeit, dann Süßwasser mit Gezeit, danach Salzwasser mit Gezeit, anschließend Süßwasser ohne Gezeit und nun Salzwasser ohne Gezeit... Hilfeeeee, uns wurde schwindelig! Das Veerse Meer entpuppte sich als eines der wohl schönsten Gebiete der Niederlande. Wir segelten entlang kleiner Inseln, Felsen, Wälder und idyllischer Stege, man wähnt sich beinahe in Schweden, es ist hier einfach atemberaubend schön!

Am Nachmittag kam dann letztendlich Veere in Sicht, wir borgen die Segel und legten an der Stadtmauer des, unserer Meinung nach, schönsten, idyllischsten und mittelalterlichsten Ortes der Niederlande an. Schlendert man über das buckelige Kopfsteinpflaster, durch die schmalen Gassen und Straßen und betrachtet die schiefen Häuschen, wähnt man sich zurückversetzt in eine andere Zeit. Es ist ein herrlich romantischer Ort zum Träumen und Innehalten!  Da es hier jedoch keinen Supermarkt oder Metzger gibt, wurde der abendliche Grillplan verschoben und wir gingen auf gut Glück in eines der gemütlichen Restaurants von Veere. Unsere Wahl fiel auf den Struyskelder. Auf einer versteckten Gartenterasse, die einen leicht verwunschenen Eindruck macht, speisten wir hervorragend und ließen so entspannt den Tag ausklingen.1)

 

1) Nachtrag: Auf unserem Törn 2015 sind wir wieder in dieses Restaurant eingekehrt. Um es mit wenigen Worten zu sagen - der Service war diesmal unterirdisch - Essen wurden vergessen oder mußten neu gemacht werden, weil sie mißlungen seien. Nach dem Bestellen mußten wir allein auf die Vorspeise über eine Stunde warten. Es gab Fischsuppe fast ohne Fisch. Getränke wurden nur gebracht, wenn wir massiv nachfragten. Schade ...


Mittwoch, den 20.6.2012

Start: Veere
Zeit: 11:27 h
Trip Time: 5:08 h
Trip Odo: 20,8 sm
Trip Dog: 20,8 sm
AV-Speed: 4,0 sm/h
max Speed: 13,3 sm/h
Ziel: Terneuzen
Rudergänger: Leon
Zeit: 18:19 h
Anleger: Am Kai
Odo gesamt: 266,6 sm
Dog gesamt: 253,5 sm

 

Herbert Grönemeyer war wohl noch nie in seinem Leben auf der Westerschelde! Denn wenn er sich mehr "Schiffsverkehr" wünscht, so wie er in seinem Lied besingt, dann können wir nur entgegnen: "Nein danke, bitte nicht noch mehr davon! Auf der Westerschelde gibt es wirklich genug Schiffsverkehr!"

Nachdem wir das idyllische Veere wieder verlassen hatten, passierten wir mal wieder eine Schleuse und segelten durch einen Binnenlandkanal nach Middelburg. Dort legten wir eine kurze Pause ein um einzukaufen, und schnell ging es weiter Richtung Vlissingen. Dort ging es durch die große Seeschleuse hinaus auf die Westerschelde. Die Tore öffneten sich, und vor uns lag ein weites und stürmisches Gewässer, das nicht mit der Oosterschelde zu vergleichen ist. Es wehte ein rauer Wind, die Strömung ist hier unglaublich stark, und überall wo man hinsah fuhren große Seeschiffe, Containerschiffe, Passagierschiffe, Tankschiffe, Lotsenboote, und so weiter und so fort. Wir fühlten uns ungefähr so, als würden wir mit einem kleinen Kinderdreirad im Zickzack über die A40 quer durchs Ruhrgebiet strampeln... Überall um uns her nur Schiffe, Schiffe, Schiffe... Schiffe die sich mit 15, 16 oder auch 17 Knoten Schnellheit fortbewegten... es war beinahe unmöglich das Fahrwasser zu kreuzen! Soviel also zu Herbie und seinem "Schiffsverkehr"...

Wir segelten nach Terneuzen, wo wir die Nacht in einem ebenfalls voll mit Binnenfahrt- und Seeschiffen belegten Stadthafen verbrachten. 

 

Donnerstag, den 21.6.2012

Start: Terneuzen
Zeit: 8:53 h
Trip Time: 7:03 h
Trip Odo: 38,8 sm
Trip Dog: 36,4 sm
AV-Speed: 5,5 sm/h
max Speed: 8,8 sm/h
Ziel: Antwerpen
Rudergänger: Leon
Zeit: 16:44 h
Anleger: Am Kai
Odo gesamt: 305,4 sm
Dog gesamt: 289,9 sm

Am nächsten Morgen starteten wir ausgeruht und munter bereits früh in den Tag. Um 08.45 Uhr warfen wir die Leinen los und nahmen Kurs auf unser südlichstes Ziel dieser Reise: Antwerpen. Kaum hatten wir draußen auf der Westerschelde die Segel gesetzt, schon sichteten wir erneut einige Schweinswale. Schnell wie der Wind griffen wir zu unseren Kameras und hielten das Geschehen auf Film fest. Endlich, da war der Beweis für die daheim Gebliebenen!

Die Sicht war diesig und relativ schlecht, so dass wir gut Ausschau halten mußten nach all den großen Seeschiffen, die wie Geister gespenstisch aus dem grauen Schleier über dem Wasser auftauchten. Je südlicher wir kamen umso mehr fiel uns auf, dass sich der Mensch hier gegen die Natur durchgesetzt hat... Eine Industrieanlage reiht sich an die nächste. Wir segelten entlang riesiger Containerterminals, Kräne beladen in rastloser Eile ein Schiff nach dem anderen, wir bekamen sozusagen eine kostenlose "Hafenrundfahrt". In Hamburg bezahlen die Leute dafür viel Geld...

Dann endlich war es soweit: wir überquerten die niederländisch-belgische Grenze, und woran erkennt man das (außer mit einem Blick auf die Seekarte natürlich)? Richtig! Die Handys beginnen zu piepen und erzählen jedem der es wissen will oder nicht: "Welkom in Belgie"!

Hier geht die Westerschelde über in die Schelde, das Fahrwasser wird immer schmaler, und nachdem wir eine letzte Kurve hinter uns hatten, lag auf einmal Antwerpen vor uns. Sämtliche Kinnladen fielen herunter, die Augen wurden groß, denn bereits vom Wasser aus präsentiert sich Antwerpen als wahre Perle Belgiens. Vor uns lag eine lang gestreckte Promenade, die Stadt zog sich bis zum Horizont hin, man sah alte idyllische Häuser, prunkvolle Kirchen und Abteien, historische Burgen, Statuen und Verzierungen überall. Und zwischen all diesem Prunk und Prahl tummelten sich auf friedliche und harmonische Art und Weise die Bewohner dieser Stadt.

Auffallend viele junge Leute sah man, alle Hautfarben und Kulturen, die Menschen sind offen, grüßen freundlich, tragen stets ein Lächeln im Gesicht und sind die Fröhlichkeit in Person. Und dann die Stadt selbst: man weiß gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll! Der Grote Markt mit seinem prunkvollen Stadthaus verziert mit den Flaggen sämtlicher Nationen, seinem hinreißenden Brunnen und den umwerfend schönen Häusern, die gewaltige Kathedrale mit den reichen Verzierungen, die unzählbaren Chocolaterien und Brasserien, Boulangerien und nicht zu vergessen die Jugendstilcafés und Kneipen in idyllischen Gassen und Winkeln... einfach atemberaubend schön! Antwerpen - die Stadt pulsiert, sie lebt und atmet das pure Leben. Antwerpen ist durch und durch burgundisch; und das genossen auch wir bei unserem abendlichen Glas Wein.

Eine Besonderheit hat der Hafen von Antwerpen übrigens noch zu bieten: der Gezeitenunterschied beträgt hier sage und schreibe bis zu 6 (!!) Meter! Die Strömung ist hier derart stark und schnell, dass man nur staunend zusehen und darauf hoffen kann, dass die Leinen das Schiff sicher an seinem Platz halten... Auch unsere "Neuankömmlinge" (Renate, Harald, Rike, Peter, Ulrike und Klaus) mußten diese Erfahrung bereits früh machen. Sollten sie doch nach ihrem kleinen Stadtrundgang eine kleine schmale Leiter mindestens acht Meter hinunterklettern... Dies war dann doch etwas zu viel für den ein oder anderen, und so veranstalteten wir noch eine kleine nächtliche "Hafenrundfahrt", um auch wirklich all unsere Gäste an Bord zu bekommen. Na ja, schließlich war Sommeranfang und somit der längste Tag bzw. die kürzeste Nacht des Jahres. Dies nutzten wir dementsprechend und zelebrierten es mit dem ein oder anderen Glas "Hans". Was sich dahinter verbirgt verraten wir ein andermal... 

 

Freitag, den 22.6.2012

Start: Antwerpen
Zeit: 9:56 h
Trip Time: 6:54 h
Trip Odo: 41,9 sm
Trip Dog: 41,9 sm
AV-Speed: 5.8 sm/h
max Speed: 10,3 sm/h
Ziel: Zierikzee
Rudergänger: Leon, Heiner
Zeit: 17:20 h
Anleger:
Odo gesamt: 347,3 sm
Dog gesamt: 331,8 sm

Am Freitagmorgen trotzten wir der stark strömenden Schelde, warfen die Leinen los und ließen Antwerpen hinter uns. Es wehte ein harter Südwestwind, und so ging es mit dreifach gerefftem Großsegel zügig vorwärts. Schon bald verkündete das mittlerweile vertraute Piepsen unserer Handys, dass wir wieder zurück in den Niederlanden waren. Kreuzend auf der Westerschelde beobachteten wir wie sich der Himmel immer mehr verdunkelte, und bald segelten wir mitten in einer Sturmbö, die auch noch viel Regen mit sich brachte. Bei Windstärke 8 waren wir alle froh, als vor uns aus dem grauen Regenschleier die Schleuse von Hansweert auftauchte. Hier ging es durch einen nur drei Seemeilen langen Kanal hinüber in die Oosterschelde.

In tiefem Blau lag dieses schöne Gewässer vor uns, doch auch hier wehte ein harter Wind, der immer mehr zunahm. Und so segelten wir mit viel Schräglage und in wilder Fahrt in Richtung Zeelandbrücke. Wir wollten den "Neuen" an Bord auch einmal das schöne und idyllische Zierikzee zeigen. Als wir in den Hafen einliefen, hatte der Wind weiter zugenommen und eine Stärke von 9 Beaufort erreicht. Dies machte es uns nicht gerade einfacher das Schiff im Hafen zu drehen... Doch dank einer Leine auf einem Fischkutter bewältigten wir auch diese Herausforderung, und so klang ein stürmischer Segeltag in gemütlicher Abendrunde an Bord aus. Zur guten Stimmung trug natürlich auch der 4:2-Sieg der deutschen Nationalmannschaft über Griechenland bei. Das Halbfinale konnte kommen! 

 

Samstag, den 23.6.2012

Start: Zierikzee
Zeit: 11:18 h
Trip Time: 5:05 h
Trip Odo: 27,1 sm
Trip Dog: 25,7 sm
AV-Speed: 5,3 sm/h
max Speed: 8,9 sm/h
Ziel: Brouwersdam
Rudergänger: Leon
Zeit: 16:45 h
Anleger: Am Steg
Odo gesamt: 374,4 sm
Dog gesamt: 357,5 sm

Auch am Samstag hatte sich der Wind nicht unbedingt gelegt, doch die Sonne und der strahlend blaue Himmel stimmten versöhnlich. Wir setzten die Segel (noch immer drei Reffs im Großsegel) und nahmen nach der Zeelandbrücke Kurs auf das Grevelingenmeer. Auch dieses entpuppte sich als einzigartige und wunderschöne Naturlandschaft. Ein großes Binnengewässer (hier haben wir zur Abwechslung mal wieder Salzwasser ohne Gezeit...), durchzogen von unzähligen kleinen Inselchen. Ein perfektes Segelrevier, wenn... ja, wenn da nicht die Suche nach einem geeigneten Liegeplatz gewesen wäre! Klein sind nicht nur die Inselchen im Grevelingenmeer, sondern auch die Häfen.

Eigentlich wollten wir ja die Nacht in Brouwershaven verbringen, doch eine kurze telefonische Anfrage ergab schnell: Hafen voll! Na, dann halt nach Ouddorp. "Klar habe ich noch einen Liegeplatz für Euch!" sagte der ansässige Hafenmeister frohgemut. Als wir jedoch dort ankamen, war besagter "Liegeplatz" viiiieel zu klein für uns, zudem wehte immer noch ein stürmischer Wind aus Südwest, wodurch das Anlegen in der kleinen Hafeneinfahrt einfach nicht möglich war.

Ein wenig enttäuscht setzten wir noch einmal die Segel und wollten uns gerade auf den Weg zurück zur Schleuse machen, da entdeckte Heiner auf der Karte am Damm zur Nordsee - auch Springersdiep genannt, ganz in der Nähe von Port Zélande einen Fluchthafen. Leon kannte ihn noch aus den Tagen in langer, grauer Vorzeit, als er mit der Segelcharterfahrt im Grevelingenmeer begann. Er stimmte zu und wir fuhren zu besagtem Fluchthafen.

Und tatsächlich: dort lag lediglich eine kleine Jacht (die schon nach kurzer Zeit bereits weitersegelte), ein wunderbarer Liegeplatz für uns! Wir lagen mitten in der Natur, in der Nähe kann man Port Zélande sehen, doch das wahre Highlight offenbarte sich erst kurz darauf: in der hohen Hecke am Rande der Straße befindet sich ein kleiner versteckter Durchgang. Man hatte das Gefühl als beträte man durch dieses Tor eine andere Welt... Dahinter verbirgt sich eine sandige Düne, und als wir diese erklommen lag unter unseren Füßen, ausgestreckt bis zum Horizont: die Nordsee!!

Ein weiter Sandstrand lud zum Verweilen ein, Muscheln wollten gesucht werden, Windsurfer jagten durch die Wellen, es gab sogar eine kleine Imbissbude. Und das alles verborgen hinter einer unscheinbaren Hecke! Ein Liegeplatz wie aus dem Märchenbuch, einfach unglaublich! Wir genossen die Stunden am Meer in vollen Zügen, und so manch einer träumte wohl auch in der Nacht noch vom Wellenrauschen und Muschelsuchen... 

 

Sonntag, den 24.6.2012

Start: Brouwersdam
Zeit: 10:15 h
Trip Time: 4:51 h
Trip Odo: 27,3 sm
Trip Dog: 27,3 sm
AV-Speed: 5,6 sm/h
max Speed: 9,2 sm/h
Ziel: Willemstad
Rudergänger: Leon, Heiner
Zeit: 18:25 h
Anleger: Am Kai
Odo gesamt: 401,7 sm
Dog gesamt: 384,8 sm

Auch heute hatte der Wind noch in keinster Weise abgenommen. Im Gegenteil, es schien von Minute zu Minute nur noch mehr zu werden... Zudem regnete es wie aus Eimern. Um es mal dezent zu sagen: wir hatten schon mal besseres Wetter. Trotz dieser rauen Umstände setzten wir natürlich unseren Weg fort, und so kreuzten wir durch das Grevelingenmeer entlang zur Schleuse. Als wir dort ankamen, waren die tapferen Recken an Deck alle bereits klatschnass, unsere Hände sahen aus wie die von Kermit dem Frosch... Melanie stopfte sich noch schnell links und rechts in die Taschen ihrer Segeljacke zwei Trockentücher, um wenigsten ihre Hände ab und an trocken zu bekommen.

Nach der Schleuse segelten wir auf der Seipe. Es ist nur ein kurzes Stück bis zur nächsten Schleuse, die wir abermals problemlos passierten. Noch einmal wurden die Segel gesetzt, wir befanden uns nun auf dem Volkerak. Noch immer regnete es, doch wir ließen uns die Stimmung davon nicht vermiesen und zelebrierten wie jeden Vormittag unser "Damenprogramm" (mmmh, lecker so ein Sekt!)... Und so kam auch schon bald die Volkerakschleuse in Sicht. Diese ist kombiniert mit einer Brücke, und als wir die erblickten klingelten bei uns sämtliche Alarmglocken! An der Brücke leuchtete ein doppelt rotes Licht, was so viel bedeutet wie: diese Brücke wird momentan nicht bedient. Eine kurze Nachfrage via Funk beim Schleusenwärter lieferte dann schnell den Grund dafür: es gab einfach zu viel Wind, die Brücke kann ab einer Windstärke von 7 Beaufort nicht mehr bedient werden. Na toll, hoffentlich nimmt der Wind heute noch ab! Hinter der Schleuse lag Willemstad, da wollten wir eigentlich hin... Da wir eh keine andere Wahl hatten, machten wir das Schiff zunächst einmal am Steg vor der Schleuse fest. Genau zur richtigen Zeit, denn der Wind nahm noch einmal an Fahrt auf, der Himmel verdunkelte sich, und in den Böen maßen wir auf unserem Windmesser eine Windgeschwindigkeit von 56 Knoten (!!), was übereinkommt mit Windstärke 11! Uiuiui, gut dass wir erst einmal lagen...

Um 18.30 Uhr hatte dann jemand hoch oben im Himmel ein Einsehen mit uns und legte den Schalter um. Auf einmal legte sich der Wind komplett, die Brücke wurde wieder bedient, und wir konnten unsere Fahrt nach Willemstad fortsetzen. Dieses idyllische Örtchen entpuppte sich als weitere Perle Zeelands. Das ehemalige Festungsstädtchen bietet historische Gebäude und gemütliche Ecken und Winkel. Zudem bekamen wir noch ein kostenloses "Konzert" von einer großen Herde Schafe direkt am Hafen. Mittlerweile war auch noch die Sonne zum Vorschein gekommen, so dass wir in den späten Abendstunden (immerhin genießen wir momentan die längsten Tage des Jahres) noch einen herrlichen Sonnenuntergang über der Haringvlietbrücke geboten bekamen. 

 

Montag, den 25.6.2012

Start: Willemstad
Zeit: 10:12 h
Trip Time: 5:11 h
Trip Odo: 22,3 sm
Trip Dog: 16,2 sm
AV-Speed: 4,3 sm/h
max Speed: 7,3 sm/h
Ziel: Hellevoetsluis
Rudergänger: Leon, Heiner
Zeit: 15:19 h
Anleger: Im Päckchen
Odo gesamt: 424,0 sm
Dog gesamt: 401,0 sm

Nachdem am Montagmorgen noch einige Crewmitglieder in den Ort zum "Shoppen" gegangen sind (und mit erbeuteten neuen Gummistiefeln zurückkamen), warfen wir die Leinen los und segelten Richtung Haringvlietbrücke. Natürlich hatte der Wind, wie könnte es auch anders sein, wieder zugenommen, so dass auch am heutigen Tag die Reffs nicht aus dem Großsegel genommen werden konnten. Und wir hatten auch mal wieder Gegenwind, so dass wir das Haringvliet hochkreuzen mußen. Die Seitenschwerter wurden soweit es ging nach vorne gezogen. Nach einigen ausgeführten Wenden stellten wir mit Schrecken fest, daß beim Hochziehen der Schwerter die stählerne Innenplatte an einer Schraube der Wanten hängen blieben. Und das an beiden Seiten... Während die Platte an Backbord nur leicht beschädigt wurde, fanden wir die an Steuerbord verbogen und verformt vor. Oje... Zwar konnten wir noch weitersegeln, mußten aber am nächsten Tag bei Willem van Gelderen in Rotterdam (ebenfalls Skipper auf dem IJsselmeer und Besitzer eines Restaurationsschiffes im Rotterdamer Museumshafen) den Schaden reparieren lassen. Naja, was soll's, wir wollten Willem eh einmal einen Besuch abstatten...

Wir nahmen also Kurs auf die Hellevoetsluis, unserer letzten Station in Zeeland. Diese Stadt am oberen Haringvliet strahlt mit seinem urtümlichen Ortskern, den alten Festungswällen und dem historischen Trockendock eine maritime Atmosphäre aus. Zudem lag gegenüber unseres Platzes eine strahlend weiße Megajacht. Das Treiben auf dem Schiff war spannend zu beobachten und bot Raum für Spekulationen... Kommt etwa gleich Herr Abramowitsch vorbei? Und ja, da kam auch schon ein Hubschrauber tief über das Wasser geflogen! Ach nein, das war ja nur eine Übung der örtlichen Seenotretter... Da wurde auch schon ein Mann an einem Tau aus dem Hubschrauber auf ein fahrendes Schlauchboot heruntergelassen. Was man hier alles so geboten bekommt! Am Abend feierten wir noch spontan eine kleine "Musikfete" mit unserer Jukebox an Bord, es wurde viel gelacht, und auch die Tanzfläche wurde eröffnet (ja, man kann auch auf kleinem Raum tanzen!). 

 

Dienstag, den 26.6.2012

Start: Hellevoetsluis
Zeit: 10:05 h
Trip Time: 5:22 h
Trip Odo: 26,9 sm
Trip Dog: 26,9 sm
AV-Speed: 5,0 sm/h
max Speed: 8,4 sm/h
Ziel: Rotterdam Rotterdam (Wijnhaven)
Rudergänger: Heiner, Leon
Zeit: 15:54 h
Anleger: Im Päckchen
Odo gesamt: 450,9 sm
Dog gesamt: 427,9 sm

Am nächsten Tag hieß es so langsam Abschied nehmen von Zeeland. Wir fuhren das Haringvliet wieder ein Stück hinunter und bogen dann ab in den Kanal Richtung Rotterdam. Das Wetter hatte sich Gott sei Dank endlich beruhigt, die Sonne lachte von einem strahlend blauen Himmel, es war sommerlich warm und wir konnten endlich das Großsegel wieder einmal in voller Größe setzen. Schnell kamen die ersten Hochhäuser von Rotterdam in Sicht. Wir passierten einige (Hebe-)Brücken und fuhren mitten durch den Rotterdamer Hafen (dies ist der größte Binnenhafen Europas und drittgrößter der Welt). Was gibt es hier nicht alles zu sehen und zu bestaunen! Neben all der Industrie und dem eifrigen Be- und Entladen der großen Seeschiffe sorgen auch die kleinen Wassertaxis, die mit hoher Geschwindigkeit an uns vorbeidüsen, für freudige Begeisterung. Als wir uns der Innenstadt von Rotterdam näherten, wurde uns doch immer mehr bewusst, dass wir es hier eigentlich mit einer Weltstadt zu tun haben. Die riesigen Hochhäuser und Türme, die das Zentrum charakterisieren, erinnern ein wenig an New York. Schließlich erreichten wir unseren Liegeplatz im alten Museumshafen. Hier liegt das Schiff von Willem, die alte Floßbrücke wird von ihm selbst mit der Hand bedient. Obwohl wir mitten im Zentrum von Rotterdam zwischen den Hochhäusern und direkt am Schifffahrtsmuseum lagen, war es hier doch auffallend ruhig und geschützt. Nur ein paar Meter weiter beginnt die Fußgängerzone. Wir schwärmten aus und erkundeten die Stadt, während Leon zusammen mit Willem mit der Reparatur des Seitenschwertes begannen.

Abends kamen wir wieder alle zusammen an Bord, genossen die Pfannkuchen von Andreas und Hipof und ließen den Tag bei noch immer warmen Temperaturen zwischen den beleuchteten historischen Kränen ausklingen. 

 

Mittwoch, den 27.6.2012

Start: Rotterdam (Wijnhaven)
Zeit: 10:55 h
Trip Time: 5:03 h
Trip Odo: 15,6 sm
Trip Dog: 15,6 sm
AV-Speed: 3,1 sm/h
max Speed: 6,4 sm/h
Ziel: Gouda
Rudergänger: Leon, Heiner
Zeit: 17:19 h
Anleger: Im Päckchen
Odo gesamt: 466,5 sm
Dog gesamt: 443,5 sm

Am nächsten Morgen kamen wir noch einmal in den Genuss der Floßbrücke, die ein weiteres Mal von Willem per Hand geöffnet wurde. Es war grau und nieselig, das Wetter erinnerte eher an die Themse als an holländische Gefilde. Naja, England ist wohl doch näher als man denkt...

Nachdem wir einige Brücken im Zentrum von Rotterdam passiert hatten, erreichten wir so langsam den Rand der Stadt. Und auf einmal erkannten wir einige markante Punkte wieder, die wir bereits auf der Hinfahrt gesehen haben. Nun waren wir definitiv auf dem Rückweg, und bei so manch einem stellte sich ein wenig Wehmut ein.

Doch spätestens als die Sonne am Nachmittag dann doch noch zum Vorschein kam, war jede Trübsal verflogen, und wir genossen eine herrliche Segelfahrt nach Gouda. Auch hier durchquerten wir einige Schleusen und Brücken. Man ließ uns bis mitten in die Stadt vor, letztendlich bekamen wir einen idyllischen Liegeplatz im Museumshafen zugewiesen. Leon mußte zunächst einmal auf das übliche "Hafenbier" verzichten und marschierte zurück zur Schleuse, wo das Hafengeld zu bezahlen war. Zurück kam er, zu unser aller Erstaunen, in einem kleinen Motorboot, chauffiert von einem ca. 13-jährigen Jungen! Als dieser für seine Mühe einige Schokoriegel erhielt, wittert dieses pfiffige Kerlchen seine Chance und funktionierte sein Boot sofort zu einem "Wassertaxi" um, was ein auf den Motor geklebtes Pappschild dann auch an alle Welt verkündete...

Natürlich erkundeten wir dann auch noch die Stadt, Gouda verfügt über ein sehr schönes historisches Zentrum mit einem wirklich traumhaften Kirchenviertel, einem beeindruckenden Stadthaus (nein Heiner, da wohnt NICHT Sharon den Adel...) sowie einer Vielzahl kleiner Geschäfte und gemütlicher Cafés. Hier fühlten wir uns alle sofort wohl. 

 

Donnerstag, den 28.6.2012

Start: Gouda
Zeit: 11:41 h
Trip Time: 6:19 h
Trip Odo: 27,3 sm
Trip Dog: 27,3 sm
AV-Speed: 4,3 sm/h
max Speed: 6,3 sm/h
Ziel: Het Nieuwe Meer (Amsterdam)
Rudergänger: Heiner, Leon
Zeit: 20:35 h
Anleger: Am Wartesteiger
Odo gesamt: 493,8 sm
Dog gesamt: 470,8 sm

Am nächsten Tag ging es am frühen Mittag weiter in Richtung Amsterdam. Ein sonniger Tag lag vor uns, wir fuhren durch das idyllisch gelegene Aalsmeergebiet und genossen die wärmenden Sonnenstrahlen. Je näher wir dem Flughafen Schiphol kamen, desto beeindruckender waren die unzähligen startenden und landenden Flugzeuge. Als wir direkt entlang der Startbahn schipperten, schien man beinahe die Passagiere hinter den Fenstern sehen zu können, so tief zogen die Flugzeuge über uns hinweg. Schon imposant, aber wohnen möchte von uns hier wohl niemand... Unsere Fahrt stoppte zunächst an der Schipholbrücke, doch um 20.00 Uhr konnten wir auch diese passieren, und pünktlich zum Anstoß des Halbfinalspiels Deutschland gegen Italien lagen wir dann vor der Eisenbahnbrücke nach Amsterdam. Eine zusätzliche Überraschung gab es noch für Anke und Andreas: die "Serenité", ein deutsches Motorpassagierschiff auf dem sie bereits einige Reisen mitgemacht hatten, lag direkt hinter uns, und so stand einem gegenseitigen Besuch nichts mehr im Wege. Und auch für den Rest der Crew gab es noch eine Überraschung: Heiner hatte heimlich ein Treffen mit Jascha organisiert, die plötzlich an Bord auftauchte. So wurde es ein geselliger Abend, der auch durch die Niederlage des deutschen Teams nicht mehr getrübt werden konnte. Eigentlich hatten wir vor, in der anstehenden Nacht durch Amsterdam zu fahren, doch eine Sperrung der Brücke machte uns einen dicken Strich durch die Rechnung. So kamen wir dieses Mal noch in den Genuss einer geruhsamen Nacht. 

 

Freitag, den 29.6.2012

Start: Het Nieuwe Meer (Amsterdam)
Zeit: 0:10 h
Trip Time: 1:49 h
Trip Odo: 4,18 sm
Trip Dog: 4,18 sm
AV-Speed: 5,8 sm/h
max Speed: 2,3 sm/h
Ziel: Houthaven (Amsterdam)
Rudergänger: Leon
Zeit: 2:46 h
Anleger: Im Päckchen
Odo gesamt: 498,0 sm
Dog gesamt: 475,0 sm

Am Freitagvormittag machte sich dann die gesamte Crew (bis auf Harald und Leon) mit der U-Bahn auf in das Zentrum von Amsterdam. Dort trennten wir uns in kleinere Gruppen, so dass jeder sein ganz eigenes Programm gestalten konnte. Eine Grachtenrundfahrt gehörte ebenso dazu wie der Besuch des Begijnhofs, dem zentralen Platz mit königlichem Palast und Alter Kirche, der Bibliothek mit atemberaubendem Blick auf die Stadt, sowie dem Shoppingparadies Magna Plaza. Am frühen Abend gingen wir gemeinsam essen im bekannten Sea Palace, dem schwimmenden chinesischen Restaurant Amsterdams mit 700 Sitzplätzen.

Nach einem herrlichen Essen machten wir uns auf den Rückweg zum Schiff. Leon war den ganzen Tag über fleißig und hatte so einige Reparaturen und Anpassungen an Deck vorgenommen. Und auch Harald hatte sich nicht gelangweilt und eine Radtour mit dem Klappfahrrad unternommen. Dabei hatte er nur ganz kurz "die Orientierung verloren" ("Ich habe mich nicht verfahren, ich wußte nur die Richtung nicht mehr!")... Alle bereiteten sich vor auf die Nachtfahrt durch Amsterdam, und um 00.18 Uhr ging es dann endlich los. In Kolonne (mit ca. 9 anderen Schiffen, zumeist Jachten) fuhren wir mitten durch das nächtliche Amsterdam von Brücke zu Brücke. Ein wahrhaft tolles Erlebnis! Die Aussprache von Andreas, man "fühle sich wie in einer Modelleisenbahnwelt und sieht dem Treiben von außen zu" trifft den Nagel auf den Kopf. Um 2.30 Uhr passierten wir die letzte Brücke am Houthaven und machten dort für die restliche Nacht neben der "Bree Sant" fest. 

 

Samstag, den 30.6.2012

Start: Houthaven (Amsterdam)
Zeit: 10:22 h
Trip Time: 4:14 h
Trip Odo: 24,2 sm
Trip Dog: 24,2 sm
AV-Speed: 5,7 sm/h
max Speed: 8,3 sm/h
Ziel: Hoorn
Rudergänger: Leon, Andreas
Zeit: 14:38 h
Anleger: Im Päckchen
Odo gesamt: 522,2 sm
Dog gesamt: 499,2 sm

Um 10.00 Uhr ging es nach einer kurzen Nacht weiter in Richtung Hoorn. Nachdem wir die Oranjeschleuse passiert hatten, befanden wir uns wieder auf heimischem und vertrauten Gewässer: dem Markermeer. Es wurde ein herrlicher Segeltag, die Sonne schien, es wehte ein ordentlicher Wind aus Südwest, alle genossen diese perfekten Segelstunden. In Hoorn erkundete ein Großteil der Crew die Stadt, und abends versammelten wir uns dann alle gemeinsam im Restaurant Bontekoe, um den Tag, die Reise und all die fantastischen Erlebnisse in würdiger Runde gemeinsam ausklingen zu lassen. 

 

Sonntag, den 1.7.2012

Start: Hoorn
Zeit: 11:18 h
Trip Time: 2:02 h
Trip Odo: 11,8 sm
Trip Dog: 11,8 sm
AV-Speed: 5,8 sm/h
max Speed: 9,2 sm/h
Ziel: Enkhuizen
Rudergänger: Leon
Zeit: 13:33 h
Anleger: Am Kai
Odo gesamt: 534,0 sm
Dog gesamt: 511,0 sm

Nach dem Frühstück legten wir ab zu unserem letzten Schlag nach Enkhuizen. Bei gutem Wind und frischer Brise machten wir bereits nach zwei Stunden am Gependam fest.

Hiermit endet unser "Abenteuer Zeeland". Die dreieinhalb Wochen waren für jeden von uns ein unvergessliches Erlebnis, wir haben viel Neues gesehen ("Das hatten wir ja noch nie!"), haben gemeinsam viel erlebt, es wurde viel gelacht und jeder an Bord hat wohl einen neuen Lieblingsplatz in Zeeland entdeckt. 

 


Links

Hier finden Sie nützliche Links zu Informationen rund um eine Tour nach Zeeland

 

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